Segeln,
(Fortbewegung eines Bootes oder Schiffes durch Wind und Segel.)
Segelboot: Sportliche Nutzung einer alten Technik
Die Nutzung der Windkraft war jahrtausendelang die einzige effektive
Fortbewegungsmöglichkeit für Boote über längere Strecken, bis die
Dampfmaschine erfunden wurde. Heute wird Segeln vor allem als Sport betrieben.

Aufbau von Einmastern
Heutige Segelboote sind High-Tech-Produkte. Neue Werkstoffe wie
glasfaserverstärkte Kunststoffe mit Karbonverstärkung, Aluminiumleichtbauten
und Verbundwerkstoffe (z. B. Kevlar) werden eingesetzt.

Ein modernes Segelboot ist zumeist ein Einmaster, das mit einem hohen
dreieckigen Großsegel und einem Vorsegel (Sturmfock, Fock, Genua II, Genua I
usw.) versehen ist. Diese Art der Takelung, d.ÿh.
das Prinzip der Takelage (alle Vorrichtungen die zum Ausnutzen der Windenergie
an den Segeln notwendig sind) und deren Aufbau und Arbeitsweise, nennt man
Sluptakelung. Der Mast wird durch ein Drahttauwerk stabilisiert, längsschiff
durch die Stagen (Vorstag, Achterstag) und seitlich durch die Wanten, die durch
ein Metallprofil oder Rundholz (Saling), welches am Mast befestigt ist,
gespreizt werden. Groß- und Vorsegel werden mithilfe von Leinen (Schoten)
bedient, ihre Stellung verändert und das Segelboot so auf Kurse gebracht
(getrimmt). Durch Verkleinern der Segelfläche (reffen) und/oder durch Austausch
der verschieden großen Vorsegel lassen sich die Windkräfte an Bord
beherrschen.

Segeln gegen den Wind?
Durch den Luftwiderstand, den ein Segel dem Wind entgegenstellt, wird eine
Kraft erzeugt (Staueffekt). Auf dem Wasser würde das Boot in Richtung des
Windes abgetrieben. Einzig sein Widerstand im Wasser (Tiefgang, Größe der
benetzten Fläche usw.) hindert ihn daran.

Alle Segelboote segeln mit Kursen »vor dem Wind« oder »raumen Wind« (der
Wind kommt mehr oder weniger von hinten) mehr oder weniger schnell und gut.
Anders dagegen bei den Kursen mit »halbem Wind« bis »hart am Wind« (der Wind
kommt seitlich oder gar von vorne). Hier spielt das Profil des Segels -
Aerodynamik - und die Form des Unterwasserschiffs (Kiel, Schwert) - Hydrodynamik
- die entscheidende Rolle.

Ein Segelboot kann nur deshalb am Wind segeln, weil das Segel ähnlich den
Tragflächen eines Flugzeugs wirkt. Die Luft legt auf der Außenseite des Segels
eine längere Strecke zurück als auf der Innenseite. Entsprechend ist die
Luftgeschwindigkeit außen höher als innen, es entsteht eine Auftriebskraft, d.ÿh.,
innen entsteht ein Überdruck (mehr Luftteilchen pro Fläche) und außen ein
Unterdruck (weniger Luftteilchen pro Fläche). Diese Auftriebskraft wirkt ca. 90
º zur Segelstellung. Nur ein kleiner Anteil dieser Kraft bewegt das Schiff nach
vorne. Die andere Kraftkomponente (Abdriftskraft) würde das Boot seitlich
weggleiten lassen, wenn nicht ein Kiel oder Schwert im Wasser dies verhinderte.

Entscheidend für die Segelstellung ist der scheinbare Wind. Fährt eine
Yacht mit 60 º zum wahren Wind, so stellt sich an Bord des Segelbootes eine
Windrichtung ein, die zwischen dem Fahrtwind (direkt von vorne) und dem wahren
Wind liegt. Dieser scheinbare Wind ist bei Am-Wind-Kursen stärker als der wahre
Wind. Er ist maßgebend für die Segelstellung und die Geschwindigkeit des
Segelbootes. So erreicht ein Segelboot bei einer Windstärke 7 (12 km/h) die
höchste Geschwindigkeit bei einem Kurs von 65 º bis 85 º zum wahren Wind,
also bei leichtem Gegenwind.

Mit der Windkraft im Segel und der Reaktionskraft des Wassers am Kiel/Schwert
entsteht ein Drehmoment über den Schwerpunkt des Schiffes - es legt sich auf
die Seite (Kränung). Wenn das Segelboot nicht über einen genügenden Ballast
verfügt, z. B. in Form von Blei im Kiel oder bei Jollen durch das »Ausreiten«
der Besatzung (Verlagerung des Schwerpunktes), kann es umkippen (kentern). Die
Stabilität eines Segelbootes hängt dabei im wesentlichen von der Höhe des
Gewichtsschwerpunktes über der Wasserlinie, der Breite des Bootes und dem
Ballast ab.

Segelmanöver
Da ein Segelboot nicht direkt gegen den Wind fahren kann, muss es in
Windrichtung kreuzen. Dafür müssen Wenden gefahren werden. Das Boot wird dabei
mit dem Bug in Windrichtung gesteuert (anluven), bis die Segel flattern
(killen). Der Bug geht durch den Wind und das Boot wird solange vom Wind
weggesteuert (abfallen), bis die Segel für den Am-Wind-Kurs auf dem anderen Bug
richtig stehen.

Bei Kursen vor dem Wind werden Halsen gefahren, um die Richtung zu ändern.
Beim Halsen wird der Kurs zunächst genau mit Wind von hinten gefahren. Der
Großbaum wird mit den Schoten dichtgeholt. Nun wird das Ruder gelegt, das Heck
geht durch den Wind. Gleichzeitig wird die Großschot vorsichtig geöffnet
(gefiert). Bei Kursen vor dem Wind kann es aufgrund von Seegangsverhältnissen
und Steuerfehlern zu unfreiwilligen Halsen (Patenthalsen), die zu starken
Schäden am Mast, Baum und Wanten führen können, kommen.

Text (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2003
Fotos (c) segelbilder.de.vu
|